Nachhaltige Ernährung


Unkrautvernichter Roundup und Glyphosat

Beikräuter, die gegen Unkrautvernichtungsmittel wie Glyphosat resistent sind, nehmen zu. Diese Mittel werden zusammen mit herbizidresistenten Pflanzen eingesetzt und führen zu „Superunkräutern“, die erhebliche ökonomische Schäden in den USA verursachen. Die betroffene Fläche hat sich in den letzten vier Jahren verfünffacht. Neun neue resistente Beikräuter traten in Brasilien in den letzten Jahren auf. Als Folge wird nicht nur die Dosierung von Glyphosat erhöht, es werden auch zunehmend giftigere Pestizide in unübersichtlichen Mischungen eingesetzt. Nach den Pflanzen entwickeln sich zunehmend auch Resistenzen bei Schadinsekten wie dem Baumwollkapselbohrer, der eigentlich mit gentechnisch veränderter Baumwolle bekämpft werden sollte.Die Lobbyisten der Chemie- und Saatgutunternehmen, wie Monsanto, Bayer & Co, sind weltweit in Zulassungsbehörden, den Agrarministerien und ausgerechnet den großen Stiftungen vertreten, die den Hunger in Afrika bekämpfen wollen. Dieses Konzept der „Revolving Doors“ fällt unter den Begriff Korruption. In den USA zahlen die Biotechnologiekonzerne dreistellige Millionenbeträge an die Kongressabgeordneten. In Europa oder Deutschland planen die Biotechnologiekonzerne über eigens eingerichtete Beratungskommissionen wie „Plants for the Future“ oder den Bioökonomierat millionenschwere Forschungsprogramme mit.

Es warnt der NABU vor erhöhten Gesundheitsgefahren für deutsche Verbraucher vor allem durch den flächendeckenden Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden in der Futtermittelproduktion in Lateinamerika, Brasilien und den USA. Es gibt deutliche Hinweise, dass die Glyphosatrückstände in Importfutter auf der Basis von gentechnisch verändertem Soja steigen. „Viele Bürger wähnen sich auf der sicheren Seite, weil sie denken, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel hierzulande verboten sind“, erklärt Steffi Ober, NABU-Referentin für Agro-Gentechnik. „Aber tatsächlich konsumiert jeder Deutsche jedes Jahr durchschnittlich 60 Kilogramm gentechnisch veränderte Soja über unsere Futtermittelimporte.“


In Deutschland wurden 2008 über 8.000 Tonnen Glyphosat eingesetzt, die Menge hat sich seit 2000 verdoppelt. Glyphosat wird nicht nur im Vorauflauf sondern auch kurz vor der Ernte eingesetzt. In einem nassen Sommer wie 2011 wird das Getreide nicht mehr richtig reif, so dass es mit Glyphosat zur „Todreife“ gebracht wird. Damit können die erwünschten Trockengrade des Korns erreicht werden. Diese „Sikkation“ wird auch bei Pflanzen wie Bohnen, Erbsen, Linsen, Raps oder Baumwolle angewendet.

Im Jahr 2013 hat der NABU in drei Landkreisen im Nordwesten Brandenburgs die Untersuchung von zehn Oberflächengewässern veranlasst. In sechs der untersuchten Proben wurden Einträge von Herbiziden und deren Abbauprodukten identifiziert.
Der Nachweis im Jahr 2013 von Gewässerbelastungen auch in westlichen Landkreisen Brandenburgs weist darauf hin, dass es sich bei den dokumentierten Pestizideinträgen aus den Vorjahren nicht um regional begrenzte Einzelfälle handelt. Erneut wurde in den beprobten Stillgewässern das Totalherbizid Glyphosat sowie dessen Metabolit AMPA und Terbuthylazin, ein hauptsächlich im Maisanbau verwendeter, ökotoxikologisch bedenklicher Herbizidwirkstoff, dokumentiert. Die Wirkstoffe gefährden akut und langfristig die aquatischen Ökosysteme und die Böden.


Doch nicht nur Kröten, Frösche und Fische sind durch den Pesitzideinsatz gefährdet. Auch die Bestände von Bienen und Vögel sind durch den Pestizideinstätze bedroht.

Stand 3.Juni 2011: Der NABU fordert Bund und Länder auf, den Pestizid-Wirkstoff Glyphosat einer kritischen Neubewertung zu unterziehen. „Angesichts neuer Erkenntnisse über Glyphosat-Rückstände in Futtermitteln und Tierausscheidungen halten wir systematische Prüfungen entlang der Nahrungskette für dringend erforderlich“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Rückstandsanalysen der veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig sind alarmierend, ein daraus resultierendes Risiko für die Gesundheit der Menschen muss unbedingt ausgeschlossen werden, unterstreicht der NABU.

„Für den menschlichen Verzehr gibt es aber bislang keine Warnung oder Einschränkung“, kritisiert Tschimpke. „Um eine angemessene Vorsorge zu treffen und Risiken für die menschliche Gesundheit zu minimieren, halten wir ein Screeing auf Rückstände an Glyphosat, AMPA und Tallowamin in Fleisch, Milchprodukten, Eiern, aber auch Futtermittelimporten für erforderlich“, heißt es in einem Brief des NABU-Präsidenten an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, das BVL und die agrarpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen.


Die Uni Leipzig hatte Futtermittel für Nutz- und Haustiere sowie tierische Ausscheidungen untersucht, weil es zahlreiche Berichte über besorgniserregende Krankheitssymptome bei Nutztieren gibt. Die Tiere werden häufig mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert, etwa mit herbizidresistentem Soja. Dieser Sojaanbau wird in den USA und Lateinamerika großflächig mit Glyphosat besprüht.
„Angesichts der Fülle von besorgniserregenden Hinweisen ist es unverantwortlich, dass die deutschen Futtermittelimporte nicht regelmäßig getestet werden und unsere Behörden bis heute nicht überprüfen, welche Mengen an Glyphosat, AMPA und Tallowamin die deutschen Verbraucher über die unterschiedlichen Pfade der Nahrungskette konsumieren“, erklärt Tschimpke. Der NABU-Brief appelliert an die Verantwortung der deutschen Behörden und erwartet eine Stellungnahme der Politik.

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