Nachhatlige Ernährung


Fleisch und Fisch

Bio-Fleisch

Stand 31.01.2013: Geschätzt 1.094 Tiere: Vier ganze Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner verspeist jeder Mensch in Deutschland während seines Lebens.

Die intensive Massentierhaltung für diesen Fleischhunger belastet nicht nur das Klima. Allein zur Produktion von einem Kilo Rindfleisch sind fast 16.000 Liter an so genanntem virtuellem Wasser nötig. Für die Produktion der Futtermittel werden Regenwälder abgeholzt und genmanipulierte Monokulturen an Soja angebaut, die Gesundheit und Erwerbsgrundlage vieler Kleinbauern gefährden.

Die romantische Vorstellung von „glücklichen“ Rindern und freilaufenden Hühnern auf kleinen bäuerlichen Familienbetrieben entsprechen jedoch nicht immer der Realität in Bio-Betrieben. Auch EU-Bio-Fleisch wird inzwischen in Massenbetrieben erzeugt und einige Anbauverbände zertifizieren auch Großbetriebe, zum Beispiel in der Hühner- und Eierproduktion. Dennoch liegen die Standards hier weit über den gesetzlichen Vorgaben zur Tierhaltung.

NEULAND ist ein Qualitätsfleisch-Programm unter der Kontrolle des Deutschen Tierschutzbunds, das sich als einziges offiziell als "besonders artgerecht" bezeichnen und bewerben darf. Die Regeln betreffen zum Beispiel den Auslauf im Freien, absolute Strohlagerung, Tageslicht im Stall und Fütterung nur mit einheimischen und gentechnikfreien Futtermitteln. Die Futtermittel dürfen allerdings mit mineralischem Düngemittel und Pflanzenschutzmitteln aufgezogen werden, die beim Bio-Landbau verboten sind, so dass NEULAND Fleisch nicht automatisch auch Bio-Fleisch ist.

 

Der Deutsche Tierschutzbund hat eine zweistufige Zertifizierung entwickelt. Ein gelber Stern im Label zeigt die Erfüllung der Kriterien der „Einstiegsstufe“, zwei Sterne kennzeichnen Fleisch der „Premiumstufe“, die laut Tierschutzbund den Ansprüchen des NEULAND-Programms und den Bio-Standards entspricht. Auch das Zertifizierungssystem von Vier Pfoten ist zweistufig.

Der Tierschutzbund selbst bezeichnet nur seine Premiumstufe, nicht aber die Einstiegsstufe als „artgerechte Tierhaltung“. Wesentlicher Unterschied zwischen den Stufen ist der Auslauf im Freien, was bei vielen Betrieben nur mit teuren Umbaumaßnahmen möglich ist. Kritik kommt von Bio-Anbauverbänden, die befürchten, dass Konsumenten die Unterschiede der beiden Stufen nicht wahrnehmen könnten und auch das Einstiegslabel als „artgerecht“ interpretierten.

Wem eine artgerechte Tierhaltung wichtig ist, sollte weiterhin auf Bio- oder NEULAND-Fleisch zurückgreifen, nicht bei den Kosten sparen und öfters auf Fleisch verzichten. Am besten ist Fleisch aus regionaler Erzeugung oder auch Wildfleisch aus nachhaltiger Jagd.

Mehr bezüglich den, durch den Fleischkonsum verursachten, Klimafolgen finden sie hier.

Fisch ohne Überfischung

Stand 13.03.2014: Mehr als 15 Kilogramm Fisch verzehrt jeder in Deutschland jährlich. Doch der weltweite Fischhunger hat seinen Preis. Laut des letzten Fischereiberichts der Welternährungsorganisation (FAO) aus dem Jahr 2012 gelten etwa 30 Prozent der kommerziell genutzten Bestände als überfischt, gut 50 Prozent sind bis an die Grenzen genutzt. Etwa 20 Prozent sind so stark dezimiert, dass sie sich „außerhalb sicherer biologischer Grenzen“ befinden, das heißt eine Erholung der Bestände ist selbst bei einem Fangstopp unsicher. Eine Arbeitsgruppe deutsch-amerikanischer Fischereibiologen errechnete jüngst sogar, dass 56 Prozent der weltweit kommerziell genutzten Bestände überfischt bzw. zusammengebrochen sind. Im Nordostatlantik sind es nach Aussage der Europäischen Kommission fast die Hälfte der Bestände und im Mittelmeer sogar 80 Prozent.

Die Ursachen für den Zusammenbruch vieler Bestände lag in einer über Jahrzehnte fehlgeleiteten Fischereipolitik auch der Europäischen Union: Es gibt zu viele Fangschiffe, die Fangquoten sind zu hoch und es sterben viel zu viele Fische als ungenutzter Beifang. Zudem verursachen die heutigen Fangtechniken zu große Schäden an den marinen Ökosystemen.

 

 

Im Jahr 1997 gründete der Nahrungsmittelkonzern Unilever (ehemaliger Mutterkonzern von Iglo) gemeinsam dem WWF den Marine Stewardship Council (MSC). Inzwischen ist MSC unabhängig und zertifiziert Fischereiflotten, die ihren Fang mit bestandserhaltenden Maßnahmen und Beifang reduzierenden Methoden einholen. Das Label des MSC ist das aktuell verbreiteste und bekannteste Fisch-Siegeln und trotz Kritik eine wichtige Einkaufshilfe im Supermarkt.
Fischereibiologen und Umweltverbände kritisieren am MSC-Zertifizierungssystem, dass die Kriterien den Einsatz schädlicher Fanggeräte, die Umgehung von Meeresschutzgebieten sowie soziale Aspekte unzureichend berücksichtigen.

Eine gute Alternative sind Wildfisch und Meeresfrüchte von Naturland. Naturland Wildfisch ist das ökologisch beste Zertifizierungssystem. Leider ist das Sortiment noch vergleichsweise klein. Die Kriterien wurden 2007 veröffentlicht und berücksichtigen die schonende Nutzung der Fischbestände und einen achtsamen Umgang mit den Ökosystemen. Es wird auf kritische und umweltschädigende Fangmethoden verzichtet und es gibt Sozialstandards für Fischer und Fischerinnen.

Friend of the Sea zertifiziert wild gefangenen Fisch und macht neben ökologischen auch soziale Vorgaben. Die ökologischen Richtlinien betreffen z.B. den Schutz überfischter Bestände und des marinen Lebensraums. Auch Vorgaben zu schonenden Fangmethoden sind hervorzuheben.

Aquakulturen

Angesichts der überfischten Fischbestände in unseren Meeren werden gezüchtete Fische aus Aquakulturen immer wichtiger. Diese kämpfen jedoch auch mit ökologischen Problemen wie Degradierung wertvoller Naturräume, Fischflucht, nicht tiergemäßen Haltungssystemen und -dichten oder gentechnisch veränderten Futtermitteln. Daher gibt es verschiedene Zertifizierungssysteme, die Umweltauflagen und Auflagen zum Tierschutz machen. Unter den Fischprodukten aus Aquakulturen sind Bio-Aquakulturen am empfehlenswertesten. Seit 2010 existieren für Fisch und Meeresfrüchte EU-Bio-Standards und man findet Bio-Fisch und Bio-Meeresfrüchte mit dem obligatorischen EU-Bio-Logo.

Grundsätzlich bedenklich ist die Züchtung von Raubfischen. Für ein Kilo Lachs werden zwei Kilo Fischmehl oder Fischöl aus Sardinen, Sardellen etc. verfüttert. Bei Thunfisch sogar bis zu 15 Kilo Fischfutter pro Kilo Thunfisch.


Friend of the Sea und Naturland zertifizieren auch gezüchteten Fisch aus Aquakulturen. Der MSC tut dies nicht, er hat allerdings seit 2010 einen „kleinen Bruder“ für diesen Produktbereich, den ASC.

Die Kriterien des Aquaculture Stewardship Council (ASC) sind ein Kompromiss zwischen Umweltverbänden und der Industrie, die den ASC gegründet haben. Umweltverbände wie der NABU sind der Meinung, dass die Standards aus ökologischer Perspektive verbessert werden müssten. Die wesentliche Kritik betrifft die Fütterung mit gentechnisch veränderter Soja und die schwachen Vorgaben für den Einsatz von Medikamenten. Auch darf das Siegel bereits während der Umstellungsphase genutzt werden.