Bürgerinformation durch den Naturschutzbund Kreisverband Rastatt

Polyfluorierte Chemikalien verschmutzen das Grundwasser, gefährden das Trinkwasser, die Gesundheit der Bürger und die Existenz seltener Tiere in der Rheinniederung.

Per- und polyfluorierte Chemikalien (kurz PFC genannt) werden in Deutschland in der Papierindustrie, bei der Herstellung von Outdoor-Kleidung, in der Farbenherstellung und in galvanischen Betrieben gebraucht. Früher verwendete man auch PFC-haltigen Löschschaum, der ab 2005 zwar verboten wurde, aber wohl getreu dem Motto "Geld ist besser als Vernunft" wurden alte Bestände dieses giftigen Schaums noch bis 2011 zugelassen.

 

Weltweite Verbreitung dieser Gifte

Während in Deutschland und anderen Industrienationen die per- und polyfluorierten Chemilkalien (PFC) über Industriebetriebe und Kläranlagen direkt in die Umwelt gelangen, werden in weit abgelegenen Teilen der Welt wie z.B. in der Arktis in der Luft befindliche fluorierte Vorläuferverbindungen wie z.B. Fluortelomeralkohole selbsttätig in PFOS und PFOA umgewandelt und mit Regen auf Eis und Land niedergewaschen (Ergebnisse der kanadischen Forschung). In Alaska werden PFOS-Konzentrationen bei Robben und Eisbären in Leber, Galle, Niere und im Blut angereichert gefunden. Bei jeder untersuchten Probe von Wildtieren (Eisbär, Robbe, Fischadler, viele Vogelarten, Schildkröten, Delphine, viele Säugetierarten) sind PFCs nachweisbar.

 

Bei uns in den Landkreisen Rastatt und Baden-Baden
Die Verwendung von PFC-haltigem Feuerlöschschaum hat bei einem Brand in Baden-Baden-Sandweier ein Eindringen von PFCs (auch PFOS) in den Boden verursacht. Ob der Einsatz des PFC-haltigen Schaums nötig war oder ob er gar in einem Einsatz entsorgt werden sollte, ist strittig. Die Grundwasserfließrichtung in diesem Gebiet ermöglicht den Transport der Giftstoffe zum wichtigen Trinkwasserbrunnen Rastatt-Ottersdorf. Auf Anordnung des Regierunspräsidiums wurde eine Grundwasserreinigungsanlage in einem kleinen Bereich eingerichtet, die PFCs herausfiltern, aber aus der Sicht des NABU und der Stadt Rastatt zu wenig. Repräsentanten der Stadt Baden-Baden brüsteten sich noch jüngst damit, man habe schnell gehandelt (nur ein Jahr später) und verschwiegen hierbei, dass die Stadt dazu durch das Regierungspräsidium gezwungen wurde.

 

Landwirtschaftsamt übersieht die große Umweltgefahr
In der Vergangenheit (letzten 20 Jahren) wurden zudem landwirtschaftliche Flächen wohl mit und wohl auch ohne die Zustimmung des Landwirtschaftsamtes mit PFC-haltigem Klärschlamm und Kompost gedüngt (NABU-Recherche 2014). Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg hat in einer Schriftt festgehalten: 2010 hat eine Klärschlamm verarbeitende Firma aus dem Landkreis Rastatt mit einer Probe den zweithöchsten PFC-Wert für Klärschlamm in Baden Württemberg erreicht. Den Behörden hätte das Problem bereits in den ersten Jahren nach 2000 bekannt sein müssen, wenn sie sich die überregionalen Informationsdienste (z.B UBA, LUBW und viele andere) angesehen hätten. Wurde das Problem mit den PFCs verschlafen, ignoriert oder verschwiegen? Hätte das Landwirtschaftsamt bei jeder Klärschlamm- und Kompostausbringung Proben zur Untersuchung gezogen, wäre die Grundwasservergiftung schnell erkannt und gestoppt worden.

 

Verschweigen und verzögern

Man lässt sich Zeit. Man vermeidet Kosten, in dem man die Giftstoffe weitgehend im Boden und Grundwasser belässt. Als Folge wurden Trinkwasserbrunnen in Förch und Niederbühl geschlossen, andere Brunnen lieferten belastetes Trinkwasser an die Bevölkerung in Kuppenheim einschließlich an schwangere Frauen, Neugeborene und an Personen mit Nieren- oder Lebererkrankungen. Durch Zuleitungvon unbelastetem Trinkwasser wurden die von den Behörden selbst errechneten Schadstoff-Grenzwerte eingehalten.
Es stört auch nicht, wenn die sandigen Böden zusätzlich beregnet und somit weitere Giftstoffmengen ins Grundwasser eingeschwemmt werden.
Die Leute, die dabei skeptisch werden und Bedenken äußern, werden als unverschämte Panikmacher diffamiert. Sind viele möglichen Zusatzerkrankungen, verringerte Fruchtbarkeit und ein paar Krebstote mehr Bagatellfall?

 

Was will der NABU-Kreisverband?

Der Natur- und Umweltschutzverband NABU, Kreisverband Rastatt, handelt im Auftrag seines Landesverbandes. Er will hier helfen, die weitere Verseuchung des Grundwassers zu stoppen. Wir handeln ehrenamtlich und mit Sachverstand (Fachleute mit Studium Chemie, Aufbaustudium Toxikologie sind dabei). Unsere Ziele sind das Wohl und Schutz der Bevölkerung.

 

Informationen werden beharrlich verschwiegen

Bisher hatten das Landesratsamt Rastatt und die Stadt Baden-Baden wiederholt versprochen, dass sie Ihre Messergebnisse zur Verfügung stellen, es wurden aber bisher (Stand 07.07.14) keine Messdaten an den NABU übergeben. Nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) ist diese Auskunft Pflicht. Ein Vertreter der Stadt Baden-Baden hat bei einer überregionalen Tagung über PFC den Verseuchungsfall Baden-Baden/Rastatt vorgestellt. Beim Nennen von wenigen Messwerten hat er sehr schnell gesprochen. Sie konnten nicht mitgeschrieben werden. Im Gegensatz zu allen anderen Rednern hat er keine schriftliche Vortragszusammenfassung abgeliefert. Begründet hat er es mit einem laufendem Rechtsverfahren, das die Stadt verloren hat. Da muss man doch Vertrauen haben, wenn so viel verschwiegen werden muss.

 

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