Streuobstwiesen in Baden

Ökologlische Vielfalt und Kulturlandschaft


Streuobstbau ist eine Form des Obstbaus, bei welchem mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden Obst auf hochstämmigen Baumformen erzeugt wird. Die Bäume stehen im Gegensatz zu niederstämmigen Plantagenobstanlagen häufig "verstreut" in der Landschaft.

 

Mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten besitzen die Streuobstbestände Deutschlands eine ungewöhnlich hohe biologische Vielfalt, sie gehören zu den naturschützerisch bedeutendsten Kulturlandschaften Europas.

 

Deutschland ist beim Schutz seiner wertvollen Streuobstbestände deutlich im Verzug. Nach NABU-Schätzungen gibt es aktuell noch etwas über 300.000 Hektar Streuobstbestände in Deutschland - vor 50 Jahren waren es noch rund 1,5 Millionen Hektar. "Verantwortlich für diesen Verlust von 80 Prozent ist eine völlig verfehlte Agrarpolitik, aber auch der enorme Flächenverbrauch durch Siedlungen und Straßen sowie eine verändertes Verbraucher- und Freizeitverhalten der Bevölkerung. Wenn EU, Bundesregierung und Bundesländer nicht schnellstens Maßnahmen einleiten, droht ein weiterer massiver Rückgang der Bestände", warnte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

 

Nach Angaben des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst existieren in ganz Europa noch rund 1,5 Millionen Hektar Streuobstbestände, davon rund ein Viertel in Deutschland. Damit besitzt Deutschland eine international herausragende Verantwortung für Schutz und Entwicklung dieser attraktiven Kulturlandschaft.

Allen Streuobstbeständen gemeinsam ist die regelmäßige Nutzung sowohl der Hochstamm-Obstbäume (Obernutzung) als auch der Flächen unter den Bäumen (Unternutzung). Die umweltverträgliche Nutzung eines Streuobstbestandes schließt die Anwendung synthetischer Behandlungsmittel wie Pestizide und Dünger aus.

 

Nach NABU-Schätzungen existieren bundesweit rund 400.000 Hektar Streuobstbestände, davon über 95 Prozent Streuobstwiesen. Andere Streuobstbestände sind flächenhafte Anpflanzungen von Hochstamm-Obstbäumen auf ackerbaulich oder gärtnerisch genutzten Flächen, sogenannte Streuobstäcker. Diese waren Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere auf ehemaligen Weinbaulagen weit verbreitete und kommen heute nur noch im südlichen Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Franken und Südbaden vor. Auch hochstämmige Obstalleen an Feld- und Fahrwegen (Straßenobst), in Hausgärten oder hochstämmige Einzelbäume in der freien Landschaft gehören zum Streuobstbau.

 

In ihrer Vielfalt der Anbauformen sind Streuobstbestände prägender Bestandteil der mitteleuropäischen Kulturlandschaften, vergleichbar agroforstwirtschaftlichen Anbausystemen Südeuropas wie die iberischen Dehesas, Oliven- oder Mandelhainen. Für die mitteleuropäische Biodiversität spielen Streuobstbestände mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten eine herausragende Rolle. Charakterarten sind Steinkauz (Vogel des Jahres 1972), Wendehals (Vogel des Jahres 1988) und Grünspecht (Vogel des Jahres 2014).