Der Waldkauz - Vogel des Jahres 2017


Bild: Felix Büscher
Bild: Felix Büscher

Fast ganzjährig macht er durch seinen Kontaktruf „ku-witt“ auf sich aufmerksam.
Wir hören die Rufe  in TV-Krimis, wenn es dunkel und unheimlich wird. Im wahren Leben erklingt das lang gezogene „Huu-hu-huhuhuhuu“, wenn Waldkäuze balzen oder ihre Reviere markieren – vor allem im Herbst und Spätwinter.

Im Herbst wird der Bund eines bestehenden Brutpaares erneuert, das den Sommer über zwar im gleichen Revier, aber eher alleine verbracht hat. Fehlt ein Weibchen, muss das Männchen mit dem Gesang erst einmal eine Partnerin anlocken.

Im Spätwinter beginnt die Brutzeit – und damit ein weiterer Höhepunkt der Ruf- und Gesangsaktivität. Durch „kollerndes“ Nestlocken weisen verliebte Käuze der Dame ihres Herzens den Weg zu geeigneten Bruthöhlen. Bei der Balzfütterung präsentieren sie ihre Jagdkünste. Stimmt die Qualität und Menge der Beute und gefällt der Waldkauzdame der Brutplatz, entscheidet sie sich für eine meist lebenslang andauernde, treue Paarbeziehung.

Waldkäuze brüten nur einmal jährlich. Ist das Nahrungsangebot schlecht, kann die Brut in einem Jahr auch ausfallen.

 

Die Waldkauzmutter bleibt während der Brutzeit fest auf dem Gelege, das in der Regel aus zwei bis vier Eiern besteht. Nur in den Brutpausen und zur Nahrungsübergabe kommt das Männchen hinzu.

Ihre Reviere und ihre Brut verteitigen Waldkäuze sehr aggressiv gegen Brutstörer und Rivalen, zu denen auch andere Eulenarten zählen. Kreischend setzt er sich gegen Feinde zur Wehr, seine Gegenwehr erfolgt meist von hinten und ohne Vorwarnung. Lautlos nähert er sich Brutstörern im Flug, streift sie mit den Schwingen oder dem Körper und hinterlässt mit seinen Krallen teilweise blutende Wunden bei seinen Widersachern.

 

Junger Waldkauz "Ästling" ; Bild: Kathy Büscher
Junger Waldkauz "Ästling" ; Bild: Kathy Büscher

Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist – scheinbar verlassen – auf Zweigen in Nestnähe. Sie werden dann Ästlinge genannt und geben ihre Position durch ständige heisere „Kszik“-Rufe kund. Zwei bis drei Wochen später sind sie flugfähig, werden aber erst mit drei Monaten selbstständig. Bis dahin kümmern sich die Eltern weiter um die Jungen. Zu Beginn der Herbstbalz werden sie dann aus dem elterlichen Revier vertrieben und müssen sich ein eigenes suchen. Nur die Hälfte der Jungvögel überlebt das erste Lebensjahr. Einmal erwachsen, können sie in freier Natur bis zu 19 Jahre alt werden.

Die lautlosen Jäger werden mit 40 bis 42 Zentimetern Länge etwa so groß wie Krähen und bringen 400 bis 600 Gramm auf die Waage. Die Weibchen sind etwas größer und um ein Viertel schwerer als ihre Partner.

Beide Geschlechter sind durch ihr rindenfarbenes Äußeres meist gut getarnt.

Wie bei allen Eulen besitzen auch Waldkäuze ein besonders dichtes und samtartiges Polster auf der Oberseite der Flügel und kammartige Zähnchen an den Kanten der äußersten Flügelfedern verwirbeln den Luftstrom beim Fliegen und unterdrücken so jedes Geräusch.

 

Ganz oben auf dem Speiseplan stehen neben Maulwürfen, Ratten oder Jungkaninchen vor allem Mäuse. Sind diese Kleinsäuger nicht zu haben, weichen Waldkäuze auf Vögel aus. Sogar Höhlenbrüter angelt er geschickt mit den langen Beinen durch das Flugloch hindurch. Frösche, Kröten, Käfer und sogar Regenwürmer sind ebenfalls Nahrungsquellen für ihn. Selten wurden die lautlosen Jäger sogar beim Fischen beobachtet.

Waldkäuze sind sehr wendige Ansitzjäger, aber bei der Jagd am Boden ebenso geschickt. Wirbellose und Beutetiere bis Mausgröße verschlingt der Waldkauz vollständig, große Beute zerteilt er zumindest grob.

 

Das Revier eines Waldkauzpaares hat 25 bis 30 Hektar und lebt ganzjährig dort. Untersuchungen zufolge blieben sogar 80 bis 90 Prozent der beringten Paare zeitlebens im gleichen Umfeld. Diese Standorttreue hilft den Eulen, auch harte Winter zu überleben, kennen sie doch sämtliche Nahrungsquellen und Verstecke sehr genau. Die selbstständig gewordenen Jungvögel streichen auf der Suche nach einem eigenen Revier nur im ersten Herbst umher, wobei auch sie sich zu 90 Prozent nicht weiter als 50 Kilometer von ihrem Geburtsort entfernen.

Auch wenn er sich in lichten Laub- und -Mischwäldern am wohlsten fühlt, gilt als ideal ein Lebensraum mit einem Waldanteil von 40 bis 80 Prozent zuzüglich Lichtungen, Waldrändern und angrenzenden Feldern. Reine Nadelwälder hingegen wählt unser Jahresvogel nur selten als Brut- und Lebensraum, da es dort nicht genug Nahrung für ihn gibt.

Findet unser Jahresvogel keine geeigneten Baumhöhlen als Brutplatz, nimmt die flexible Eule auch ruhige Winkel von Gebäuden, Scheunen oder Nistkästen an. Hier darf es lediglich an guten Einflug-Möglichkeiten nicht mangeln. Längst ist er daher auch in städtischen Parkanlagen, Alleen, alten Scheunen, Burgen und Ruinen, Gärten oder auf Friedhöfen mit altem Baumbestand zuhause. Wobei auch er sich in „ausgeräumten“ Feldfluren ohne Bäume als Ansitzwarten sich nicht blicken lässt.

 

Stellvertretend für alle Eulenarten hat der NABU für 2017 den Waldkauz zum Vogel des Jahres gewählt. Mit ihm soll für den Erhalt alter Bäume im Wald oder in Parks geworben werden und eine breite Öffentlichkeit für die Bedürfnisse höhlenbewohnender Tiere sensibilisiert werden. Eulen sind unverzichtbare Bestandteile der Artenvielfalt. Wir sollten alles dafür tun, sie zu schützen, ihre Bestände zu stabilisieren oder gar zu vermehren.

 

Mehr Informationen über den Vogel des Jahres finden sie hier