Nützliche Hornissen, August 2014


"Hornissen helfen mehr, als dass sie stören" - Sieben ehrenamtlich tätige Beauftragte im Landsratamt setzen scih für besonderen Schutz der Insekten ein

Badisches Tagblatt 18.August 2014

Rastatt - Wer kennt es nciht, man sitzt gemütlich beim Grillen im Garten und plötzlich  tauchen die "ungebetenen" Gäste auf. Jedes Jahr im Hochsommer ärgern sich viele Menschen über Wespen und nicht weniger reagieren geradezu hysterisch auf ihren Anflug. Hartnäckig halten sich viele Vorurteile über die Gefährlichkeit dieser auffälligen Insekten.


Auch Hornissen zählen zu den Wespen. Sie gehören zur Familie der Faltenwespen. Insgesamt gibt es acht heimische Wespenarten, doch zwei von ihnen, die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe bringen alle anderen in Verruf. Wespen werden im Freien von unserem Essen, besonders von Süßem, angelockt und sind mitunter recht angriffslustig, wenn wir ihnen das Feld nicht tatenlos überlassen wollen, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts. Im Gegensatz dazu sind Hornissen als Insektenjäger äußerst nützlich, meist harmlos und haben ihren festen Platz im Naturgefüge.

Volker Dietrich, einer von sieben ehrenamtlichen Beauftragten im Landratsamt Rastatt, setzt sich im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde  für den besonderen Schutz der Hornissen ein. "Hornissen helfen dem Menschen mehr, als dass sie ihn stören", bekräftigt er. Denn ein gut entwickeltes Hornissenvolk könne pro Tag bis zu einem Pfund Insekten erbeuten. Damit lasse sich durchaus leben, denn Hornissen stechen nur, wenn sie sich oder ihr kunstvoll gebautes Nest, das nur für eine Saison bewohnt wird, bedroht fühlen.

Innerhalb des Nestbereiches in einem Radius von drei bis vier Metern sollten laut dem Hornissenbeauftragten allerdings einige Verhaltensregeln beachtet werden, damit keine Verteitigungsreaktion der Hornissen ausgelöst wird. "So sind größere Erschütterungen zu vermeiden, Manipulationen am Flugloch oder am Nest sind grundsätzlich zu unterlassen, ebenso wie Anatmen der Tiere und hektische Bewegungen."

Wenn man diese Regeln einhält, sei selbst ein Aufenthalt im direkten Nestumfeld möglich, in dem man interssante Beobachtungen machen kann, stellt der Experte klar. Hornissen seien relativ friedliche Tiere, außerhalb ihres Nestberreiches eher scheu und zeigen kaum Verteitigungsbereitschaft. "Im Gegenteil, sie fliehen  bei Bedrohung. Wenn sie nicht aus Versehen eingeklemmt werden, ist kaum ein Stich zu befürchten", beruhigt der Fachmann.

Hornissenstiche sind nach heute allgemeingültigen Erkenntnissen zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlicher als der Stich einer Biene oder Wespe, schreibt das Landratsamt. Je nachdem, wie empfindlich Menschen darauf reagieren, kann ein Stich von einem roten Fleck bis hin zu einem Allergieschock gehen.

Kritisch sind laut Dietrich lediglich Stiche im Hals- und Mundbereich, da beim Anschwellen Erstickungsgefahr droht. Ist man gegen Hornissen- und Wespenstiche allergisch, sollten Betroffene in jedem Fall sofort einen Arzt aufsuchen. Doch was tun, wenn ein Nest erheblich am Standort stört? Klaus Fuchs, zuständiger Sachgebietsleiter im Amt für Baurecht und Naturschutz im Landratsamt rät, sich an einen Experten wie Volker Dietrich zu wenden.

Der Hornissenbeauftragte hat ein Seminar besucht, um aus seinem Hobby ein Ehrenamt zu machen. Er war schon immer sehr naturverbunden und nützt jetzt gerne seien freie Zeit, um sich zu engagieren und sein Fachwissen einzubringen. So warnt er eindringlich davor, Nester einfach zu zerstören. "Das ist illegal und kann zu hohen Bußgeldern führen, denn Hornissen genießen durch die Bundesartenschutzverordnung besonderen Schutz." Außerdem kommt es gerade bei Vernichtungsversuchen besonders häufig zu Stichen.

Betroffene Bürger können sich bei Fragen an das Amt für Baurecht und Naturschutz im Landratsamt wenden. Auch die Städte und Gemeinden geben Auskunft, welche ehrenamtlichen Helfer örtliche Beauftragte sind.

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