Dachsfindling - Zeitungsbericht


Gourmet erhält nun lebende Würmer- Ehepaar Dietrich hat verletzten Dachs zur Pflege / Vorbereitung auf Auswilderung

Badisches Tagblatt 31. Mai 2014

Gaggenau/Gernsbach - Einen Feinschmecker beherbergt die Familie Dietrich aus Scheuern derzeit bei sich im Schuppen: "Rindfleisch mag er am liebsten", sagt Volker Dietrich. "Aber nur das frische vom Metzger", fügt Ehefrau Sonja hinzu. Doch langsam muss sich der Mitbewohner auf Zeit umgewöhnen: "Wir geben ihm nun lebende Würmer." Die wird er bald selbst finden müssen: In wenigen Tagen soll der Dachs ausgewildert werden.

 

Verletzt ist das Wildtier Anfang Mai an der Straße Richtung Winkel gefunden worden. "Ich vermute, er ist mit dem Autoverkehr in Berührung gekommen", sagt Volker Dietrich. Der Finder wandte sich an den Vorsitzenden der Rastatter NABU-Ortsgruppe, Karl-Ludwig Matt, und der hat das verletzte Jungtier dann bei Familie Dietrich in Obhut gegeben. Volker Dietrichist seit vielen Jahren ehrenamtlicher Hornissenfachberater beim Rastatter Landratsamt und zeitlebens der Natur verbunden. Beruflich hatte Dietrich aber eine ganz andere Richtung eingeschlagen: Er war bis zur Pensionierung Betriebsschlosser im Benzwerk.


Einen Dachs hatte Dietrich bislang noch nicht als Untermieter bei sich Zuhause. So wurde für den scheuen Gast ein kleines Gehege gebaut mit einer kleinen Höhle als Rückzugsmöglichkeit. "Der Dachs war sehr benommen als wir ihn aufgenommen haben. Am Hinterlauf hatte er eine leichte Verletzung." Die scheint nun, gut drei Wochen später, abgeheilt zu sein. "Er kann wieder springen", freut sich Volker Dietrich, der nun die Auswilderung vorbereitet.


Der Dachs habe während der Pflege in Scheuern gut ein Drittel an Größe und Gewicht zugelegt. "Es ist höchste Zeit, dass er wieder in seine natürliche Umgebung zurückkommt", wissen Sonja und Volker Dietrich. "Er darf sich nicht an menschlichen Umgang gewöhnen", sagt Dietrich: "Sonst rennt er im Wald noch Spaziergängern hinterher." Deshalb versuche er auch, das Tier nicht zu berühren oder gar auf den Arm zu nehmen. Auch von der Fütterung muss sich der Dachs alsbald verabschieden. "Er ist jetzt genug aufgepäppelt." Langsam wird der Waldbewohner an Lebendnahrung herangeführt. "Wir holen die Würmer im Angel-Shop", demonstiert Dietrich und stellt ein Schälchen in das Gehege.

 

In der freien Wildbahn ernähren sich Dachse, die zur Familie der Marder gehören, auch von Insekten, Larven, Kleinsäugern - oder vegetarisch: Obst und Beeren können auf dem Speiseplan stehen. "Vom Rindfleisch wird er jetzt entwöhnt", sagt Sonja Dietrich. Und ihr Mann ergänzt: "Im Wald wird ihm wohl niemand welches hinstellen." In den Wald soll de Dachs in den nächsten Tagen wieder zurückkehren. "Wir werden jetzt die Stelle suchen, an der er gefunden wurdee." In der näheren Umgebung vermutet Dietrich auch den Dachsbau. "Dort wollen wir ihn frei lassen. Wir hoffen, er findet sich dort dann zurecht."


In der Freiheit entlassen will Dietrich in den nächsten Tagen auch einen Buntspecht, den er gerade pflegt. Der war gegen "die Scheibe gedonnert. Ich dachte zuerst er stirbt. Aber nun erholt er sich wieder zusehends", freut sich Dietrich. Und wie zur Bestätigung flattert der Specht wild im Käfig. "Das zeigt, dass er wieder bei Kräften ist", sagt Dietrich. Der richtige Umgang mit Wildtieren sei schwierig, sagt Dietrich: Wann soll der Mensch eingreifen? "Hätte man den Dachs liegen gelassen, wäre er vermutlich verendet." So hat das Jungtier eine Chance auf ein normales Dachsleben.

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