Rettungsaktion für Bienenvolk


Königin und Hofstaat beantragen "Kirchenasyl" - Rettungsaktion für Bienenvolk, das sich in Bietigheimer Pfarrkirche Heilig Kreuz niedergelassen hat

Badisches Tagblatt 26.Juni 2013

Bietigheim - Den Begriff "Kirchenasyl" hört man heutzutage ja nur noch selten. Umso erstaunlicher, dass die Bietigheimer Pfarrkirche Heilig Kreuz in der vergangenen Woche gleich Tausenden Unterschlupf gewährte - wenn auch etwas unfreiwillig.

Die Sache war nämlich die: Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion wurde am dritten Juni-Wochenende im Hof des Bietigheimer Kindergartens, der direkt neben der Kirche liegt, eifrig von der KjG gewerkelt (wir berichteten) - dabei fiel den jungen Helfern auf, dass auffällig viele Honigbienen dort unterwegs waren - und die fleißigen Brummseln hatten alle ein Ziel: den Sandsteinsockel der Pfarrkirche Heilig Kreuz.

Schnell war klar, dass blaues Blut in der Pfarrkirche weilte: Die Bienenkönigin hatte ihre alte Heimat verlassen, in der Pfarrkirche Zuflucht gesucht - und ihr gesamter Hofstaat war natürlich mitgekommen. In zwei stillgelegten Ölbefüllungsrohren, die von der Kirchenwand zu einem Hohlraum im Keller des Gotteshauses führen, fanden die Honigsammlerinnen schließlich Unterschlupf. Doch da, wo sich "Ihre Majestät" mit ihren Untertanen niederließ, konnte sie nicht bleiben: Zu nah liegen Grundschule, Kindergarten und Hort.

Schließlich zog die Pfarrgemeinde die Ortsgruppe Rastatt des Naturschutzbunds hinzu - und zusammen mit den Hornissenbeauftragten des Landkreises Rastatt, Michaela Schnell und Bernhard Unser, machte man sich daran, eine Lösung zu erarbeiten.

Die "Umsiedlungsaktion" für das Bienenvolk nahm mehrere Tage in Anspruch. Die Mauer, hinter der sich der Hohlraum befindet, in dem sich die 40000 bis 60000 Bienen (so groß ist ein Volk etwa zur Zeit der Sommersonnenwende) niedergelassen hatten, wurde kurzerhand aufgesägt, danach galt es, Bienen und Waben in eine Kiste zu packen. "Der Honig floss uns quasi schon entgegen", scherzt Karl-Ludwig Matt, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe.

Besagte Holzbox wurde dann wiederum vor den Kirchensockel postiert, um auch die letzte ausgeschwärmte Arbeiterin anzulocken. Der Plan ging auf - immerhin befand sich auch die Königin in der Kiste.

Bei Nacht und Nebel fand dann die eigentliche Umsiedlung statt - die brummende und summende Kiste wurde nach Rastatt gebracht. In den Gärten der Barockstadt können die Bienen nun unter der Aufsicht einer "Spontanpatin" und Neu-Imkerin auf Nektarsuche gehen. Und sicher werden sie sich auch beim Team der Pfarrgemeinde um Pfarrer Klaus Dörner für das so spontan gewährte Asyl bedanken: Mit einem Glas leckerem Honig - aus eigener Produktion, versteht sich.


Yvonne Deck

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